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Verkehr in Olten mal kurz neu gedacht

Olten erstickt am Durchgangsverkehr. Höchste Zeit Mobilität neu zu denken.

Es ist ein Fakt, wir ersticken auch trotz Ortsumfahrung ERO am Durchgangsverkehr. Unsere Stadt wird auch in Zukunft von Kantonsstrassen durchquert. Es ist ein Fakt, dass Herr und Frau Schweizer der älteren Generation ihr Auto nach wie vor lieben und es ist auch ein Fakt, dass die Stadt Olten durch die SBB und die Aare durchschnitten wird. Lösungsansätze für eine innerstädtische Mobilität wären vorhanden. Dafür wäre ein Konsens in der Politik notwendig, von dem man in der aktuellen Ratsdebatte wenig spürt.

Der Verkehr ist Fluch uns Segen in unserer Stadt zugleich. Die verkehrliche Lage hat uns gross gemacht, die täglichen Staus auf vielen Zufahrtsachsen – trotz ERO –  sind aber gleichzeitig weiterhin eine Plage und der verkehrliche Pferdefuss von Olten zugleich. Wieso wir uns nicht endlich zusammenraufen und eine Lösung für „unser“ Olten anstreben, bleibt mir ein Rätsel. Mögliche Lösungsansätze, die ideologiefrei von rechts und links begrüsst werden könnten:

Das „Balinger Modell“ für Olten
Die Süddeutsche Kleinstadt Balingen mit ihren rund 30’000 Einwohnern macht es vor. Im Rathaus der Schwäbischen Kleinstadt hat man schlicht den Spiess umgedreht, die Parkraumsituation neu gedacht und die auch teilweise privaten Parkhäuser bieten heute zu Geschäftszeiten sämtliche Parkplätze gratis an.

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In der Innstadt selbst hat man sämtliche Parkfelder auf blaue Zone umgestellt. In erster Priorität steuern deshalb Autofahrer die frei zugänglichen Parkhäuser an, Kurzzeitparker fahren direkt vor ihren Laden , die blaue Scheibe genügt. Diese Lösung ist einfach und kundenfreundlich zugleich. Die Stadt konnte dadurch deutlich belebt werden und ihr Image massiv aufpolieren.

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Durch den Mehrumsatz beim Gewerbe ist es diesem möglich, die Parkgebühren der Kunden anteilsmässig indirekt zu tragen. Eine Win-win-Situation für Kunden, das Gewerbe und die Stadt. Und auch am Sonntag flanieren viele Menschen durch die Innenstadt, essen bei den diversen Eiscafés ein Glace und lassen ihre Kinder an den in der Fussgängerzone eingerichteten Wasserspielen plantschen.

Die Stadt war sogar so innovativ, für den jeweils am Samstag stattfindenden Wochenmarkt, gleich versenkbare Stromanschlüsse in die Fussgängerzone für die mobilen Marktfahrer zu verbauen. Für mich ein Zeichen, dass Stadt und Gewerbe auf Augenhöhe miteinander diskutieren.

Die Oltner Velobahn für Gleichberechtigung von Velo und Auto
Es wird endlich Zeit, dass wir Oltner geeint und geschlossen im Solothurner Rötihof, Sitz des Solothurner Amts für Verkehr, auf den Tisch klopfen und uns geeint und geschlossen für eine Lösung für das heute katastrophale Velonetz in der Stadt Olten einsetzen. Diese Wortwahl ist bewusst gewählt, denn es ist heute lebensgefährlich, ein Kind durch den Sälikreisel zu schicken.

Es ist schon fast skandalös, welche Priorität dem motorisierten Durchgangsverkehr eingeräumt wird und wie wir Oltner am Ende der alten Holzbrücke alle 2 Minuten gnädigst für ein paar Sekunden mit dem Velo zur rechten Stadtseite in unser eigenen Stadt die Kantonsstrasse überqueren dürfen. Olten links und rechts bleiben velotechnisch getrennt. Wir brauchen Lösungen, im Minimum ein innerstädtisches Velonetz, welches sicher, durchgehend markiert und mit Priorität durch Velos befahren werden kann!

Es ist beschämend, dass ich vom städtischen Veloparking an der Tannwaldstrasse am Hinterausgang des Bahnhofs nur auf komplizierteste Art und Weise in die Innenstadt gelange. Garantiert blockiert von einer aufgestauten Autoschlange in der Neuhardstrasse, die seelenruhig die Velospur blockiert. Später dann abgestoppt von einer gefühlt minutenlang nicht auf grün schaltenden Veloampel, währenddessen Auto um Auto an mir vorbeizieht.

Es ist ein Trauerspiel, wenn ich es kaum schaffe, vom Bachweg mit Veloanhänger meine Tochter in die Krippe an der Sonnhalde unterhalb der Kanti zu bringen, weil ich wegen des Durchgangsverkehrs die Aaraustrasse zwischen Waldheim und Joggibrunnen mit dem Velo kaum überqueren kann. Und nein, noch eine Ampel ist keine Lösung, sondern die konsequente Priorisierung von Velos!

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Grossstädte wie San Francisco haben das längst kapiert. Sie bauen Velobahnen durch die Stadt. Auch wir brauchen endlich durchgehend gut markierte Velofahrspuren. Breite Bahnen mit einer klar erkennbaren Signalisation gegenüber dem Durchgangsverkehr. Wir wohnen hier in Olten, es ist unsere Stadt. Lasst uns das endlich angehen.

Die städtische Verwaltung muss endlich handeln! Wir sind die grösste Stadt im Kanton und es liegt an uns, ob wir uns ständig den Verkehr von Solothurn aus diktieren lassen oder ob wir selber Verkehrslösungen für die Oltner Bevölkerung in unserer Stadt in die Hand nehmen.

Der Mobilitätsplan 
Es stimmt, dass erst ab Seite 42 des angedachten Oltner Mobilitätsplans überhaupt erst der Veloverkehr erwähnt wird. Das ist genauso daneben wie dem Oltner Gewerbe die Parkplätze streichen zu wollen.  In ein paar Jahren, mit selbstfahrenden Fahrzeugen, werden wir ohnehin nochmals über die Bücher gehen müssen.

Aber es ist schlicht inakzeptabel, wenn sich politische Gruppierungen einer Diskussion entziehen und ein lösungsorientiertes Dokument einfach bachab schicken, nur weil ihnen dieses oder jenes nicht genau so passt, was in diesem Mobilitätsplan als Vision formuliert ist. Unsere Demokratie lebt vom Konsens. Lieber in kleinen Schritten vorwärts gehen, als gar nichts machen. Wir treten sonst vor Ort. Die Politiker der verschiedenen Lager müssen sich endlich zusammenraufen, statt ideologiegetriebene Interessenpolitik zu betreiben. Dazu gehört auch eine viel offenere Informationspolitik aus dem Stadthaus.

Als Sofortmassnahme liebe Stadt Olten, würde ich per sofort das Inkasso und die Gebührenregelung für Parkuhren umstellen und dafür sorgen, dass mindestens die ersten 60 Minuten gratis parkiert werden kann. Geht nicht? Klar geht das, wie im Sälipark auch. Man darf das Auto nicht verteufeln, es ist Teil einer Mobilitätskette, wie ein Bus, ein Velo oder ein Zug auch. Wir brauchen integrierte Lösungen.

Ladesäulen für Elektromobilität, Velostationen für Besucher
Im Untergeschoss der Fachhochschule FHNW befindet sich ein Parkplatz zum Laden eines Elektroautos. Himmel liebe Stadt, denkt endlich vorwärts, euch gehört ein Stromunternehmen! Schafft endlich Ladestationen in der Innenstadt! Die besten Parkplätze müssen künftig von Elektroautos genutzt werden können.
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Und bitte lasst euch von einem der vielen Anbieter wie Publibike eine 7/24 zugängliche Veloverleihstation beim Bahnhof bauen, damit Olten Tourismus diese vermarkten kann. Mit einem E-Bike eine fremde Stadt erkunden oder spontan mit Elektrounterstützung in ein Aussenquartier Oltens radeln? Das wäre alles möglich. Lieber heute als morgen mit der Planung einer automatischen Verleihstation beginnen.

Free Wifi in der Fussgängerzone
Und ja, bitte vergesst nicht, dass Olten von Fussgängern besucht wird. Fast 80’000 Menschen steigen jeden Tag am Bahnhof Olten ein, aus oder um. Ein riesiges Potential für die Stadt und das Gewerbe. Bitte bietet deshalb Besuchern an zentralen Plätzen wie auf der Kirchgasse, in der Altstadt, dem Klosterplatz Aber auch rund um den Sälipark kostenfreies WiFi auf öffentlichen Plätzen an. Das tun andere Städte übrigens seit Jahren. Olten Tourismus dankt es euch und es ist heute eben auch ein Teil der Mobilität, für Touristen einen freien Zugang zu Navigationshilfen wie Google Maps oder TripAdvisor zu schaffen, denn viele Touristen bewegen sich heute mit Smartphones durch fremde Städte. Eine Datenversorgung ist Teil der heutigen Mobilität.

Und noch ein Wink zum Schluss, in Richtung Olten Südwest
Postauto Schweiz würde bereitstehen, sich in einen Versuch mit selbstfahrenden Bussen von OSW nach Olten Bahnhof einbinden zu lassen. Noch lange bevor irgendwelche Tunnel gebaut sind. Voraussetzung für diese Mobiliätslösung wäre natürlich, dass BOGG und Postauto ein solches Leuchtturmprojekt gemeinsam mit der Stadt vorantreiben würden.

img_3311Beim gelben Reisen stände man bereit, sich in Olten einzubringen. Wäre es vielleicht mal an der Zeit, dass BOGG und Postauto miteinander telefonieren?

Ich danke euch.

1 Kommentar zu “Verkehr in Olten mal kurz neu gedacht

  1. moniquerudolfvonrohr

    Danke für diesen Beitrag Christian – genau so stelle ich mir die verkehrstechnische Zukunft in Olten vor – Umdenken auf allen Seiten!

    Gefällt mir

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