Budgetdebatte in der Eissportstadt: Teil 2 – Das Derby

Die Glocken der Stadtkirche schlugen Viertel nach Eins am frühen Freitagmorgen, als der Steuerfuss für das Jahr 2019 endlich festgelegt war: 112% für natürliche Personen und 110% für juristische Personen sollen es sein. Was das im Einzelfall für finanzielle Konsequenzen hat, haben wir vor ein paar Tagen in unserer kleinen Grossvatergeschichte schon dargelegt. Die Mehrbelastung durch die Steuererhöhung wird irgendwo zwischen knapp 50 Franken (für eine Familie mit zwei Kindern und 50’000 Franken steuerbarem Einkommen) und 798 Franken (für eine alleinstehende Person mit 200’000 Franken steuerbarem Einkommen) liegen.

Ganze sieben Stunden diskutierte das Parlament in der Monsterdebatte über das Budget 2019. Am Ende bleibt weitgehend der Budgetvorschlag des Stadtrats bestehen. Dies nachdem in den Stunden davor über diverse Streichungsanträge, vor allem von der SVP, debattiert wurde. Vereinzelt setzte das Parlament im Budget 2019 dennoch den Rotstift an, wodurch sich das Volumen um rund 400‘000 Franken reduziert. Das geplante Defizit beläuft sich demzufolge auf 346‘500 Franken für das Jahr 2019. Aus unserer Sicht ist dieses Defizit verkraftbar auch wenn klar ist, dass Stand heute eine weitere Erhöhung des Steuerfusses in den darauffolgenden Jahren unumgänglich sein wird. Dies aber hauptsächlich, um die grossen Investitionen wie den Schulhausbau finanzieren zu können.

Da wir am Donnerstag zu Beginn der Sitzung die Vorlage zur Sportpark AG (Eisstadion Kleinholz) zurückgewiesen hatten, stellte Florian Eberhard (JSP) bei der Behandlung des Budgets den Antrag, auch den Budgetposten zur Beschaffung von flexiblen Banden in der Eishalle im Kleinholz zu streichen. Trotz der Zurückweisung ist die geplante Investition bereits im Budget 2019 unter der Kontonummer 3410.5610.005 explizit aufgeführt. Dies hat zur Konsequenz, dass die 270’000 CHF so oder so ausgelöst werden, wenn das Budget angenommen wird. Wie das OT berichtet hat sich dieses Szenario unterdessen auch schon bewahrheitet.

In der Diskussion zum Antrag von Florian wurde vorgebracht, dass diese neuen flexiblen Banden doch gut wären für alle und schliesslich der Gesundheit dienen würden. Dass die neuen Banden nur deswegen beschafft werden, weil  diese in der Swiss League eigentlich seit dieser Saison vorgeschrieben sind und demzufolge vor allem dem EHC Olten zugute kommen, wurde wenig thematisiert. Einzig Laura Schöni setzte sich in einem emotionalen Votum klar für die Streichung ein, da es nicht die Aufgabe der Stadt sei, dem EHCO die Teilnahme an Spielen der Swiss League über die Finanzierung einer neuen Bandenanlage zu ermöglichen. Damit der EHCO auch dieses Jahr im Kleinholz die Spiele der Swiss League austragen konnte, war eine Sonderbewilligung von Seiten des Schweizerischen Eishockey Verbandes nötig. Die Verantwortlichen wussten also bereits vor Beginn der Saison 18/19 (wenn nicht noch früher) dass die Bandenanlage ersetzt werden muss, um den Verbandsvorschriften genügen zu können. Wieso dieses Thema nicht schon früher diskutiert wurde, ist uns nicht klar. Nach einer knapp halbstündigen Diskussion zog Florian Eberhard seinen Antrag auf Streichung des Investitionsbeitrages für neue Banden zurück. Es hatte nämlich das Gerücht die Runde gemacht, dass der Betrag, wenn er denn im Budget belassen würde, sicherlich als  Pfand gegen das angedrohte Referendum der SVP und FDP dienen würde.

Vermutlich waren viele Politiker*innen insgeheim froh, dass sie nicht öffentlich kundtun mussten, wie sie zu den Eissportsubventionen und -Investitionen stehen. Erst die Rückweisung der Vorlage und dann der Rückzug von Florians Antrag sorgten dafür, dass sich niemand per Handzeichen als “Gegner” des Eissports outen musste.

Aus vielen Voten war zu spüren, dass das Eishockey in der Stadt Olten nach wie vor eine Sonderstellung einnimmt. Olten subventioniert heute jede Person (Kinder und Erwachsene), die im Eisstadion mit einem Verein das Eis benutzen, mit durchschnittlich 1’000 Franken pro Jahr. Dagegen wirken die jährlich 40 Franken pro Person bei anderen Sportvereinen wie ein kleines Sackgeld. Darüber wurde an diesem Donnerstagabend im Parlament jedoch nicht diskutiert.

Der mangelnde Sparwille

Die Budgetdebatte war davon geprägt, dass Exponenten der SVP Streichungsvorschläge präsentierten und bei deren Ablehnung den anderen Parteien mangelnden Sparwillen vorwarfen.

Es scheint jedoch wichtig, die ganze Diskussion in einen Kontext zu stellen. Denn als vor ein paar Jahren die Alpiq-Millionen plötzlich versiegten, wurden die Ausgaben der Stadt Olten massiv reduziert. Die ungemütliche finanzielle Situation zeigte jedoch auch, dass ein grosser Anteil der städtischen Ausgaben sogenannte “gebundene Ausgaben” sind und deshalb aufgrund gesetzlicher Bestimmungen getätigt werden müssen. Die Stadtverwaltung hat in diesen Bereichen demzufolge keinen Handlungsspielraum.  So werden zum Beispiel die Lehrerlöhne, die Klassengrössen oder die Beiträge in den Finanzausgleich vom Kanton festgelegt – zahlen tut’s die Stadt.

Wenn die Stadt spart, dann bei den “nicht gebundenen” Ausgaben, also jenen, für die es keine gesetzliche Bestimmung gibt. Das sind aber meist genau die Angebote und Stellen, welche wir für notwendig und wichtig erachten denn sie leisten einen grossen Beitrag zu einer lebenswerten Stadt: Gratiseintritte in die Badi, kulturelle Anlässe, Aktionen der Stadtentwicklung und der Umweltfachstelle, Unterstützung für Vereine und Projekte. Kleine Posten, die im Gesamtbudget gar nicht gross auffallen, welche aber im Leben vieler Einwohner*innen eine wichtige Rolle spielen.

Wer nun auf Teufel komm raus bei einem Steuerfuss von 108% oder weniger bleiben will, verkennt, dass mit den gesparten Prozenten eben genau die Teile des Stadtlebens gefährdet werden, welche den Unterschied ausmachen zwischen Leben im Dorf und Leben in der Stadt. Wenn eine ganze Stadtbevölkerung Steuern zahlt, dann lassen sich ganz andere Projekte realisieren, als wenn das ein paar Leute in einem Dorf tun. Dabei geht es bei der Steuererhöhung für natürliche Personen von 108% auf 112% und für juristische Personen von 108% auf 110% lediglich darum, dringend benötigte Investitionen in den Werterhalt tätigen zu können. Dies sind z.B. der Neubau der Dünnernbrücke, die Erneuerung des Spielplatzes beim Sälischulhaus, Sanierungen am Feuerwehrgebäude und die Verkleidung des Schwimmerbeckens im Freibad. Würden wir 118% Steuern zahlen, was immer noch weniger ist als bei vielen kleinen Gemeinden in der Umgebung von Olten, dann würde das Stadtleben noch viel attraktiver als es schon ist. Wer weiss, allenfalls würde es noch mehr neue Bewohner*innen anziehen. Nicht die Superreichen, die sich anscheinend das Steurerranking der Schweizer Gemeinden unters Kopfkissen legen, so man denn der FDP glauben will, sondern gut verdienender Mittelstand. Leute, denen bewusst ist, dass sie mit ihren Steuern dazu beitragen, das Leben in der Stadt angenehm und abwechslungsreich zu gestalten.

Dies sind die Gründe weshalb bei Olten jetzt! der Sparwille nicht besonders ausgeprägt ist. Wir setzen uns für Steuererhöhungen ein: uns ist es wichtig, dass im Budget genug Spielraum besteht für die vielen kleinen Ausgaben, die Olten zu einer überaus lebenswerten Stadt machen. Mit Mitarbeiter*innen in der Verwaltung, welche genügend Ressourcen und finanziellen Spielraum haben, um auf Anliegen aus der Bevölkerung einzugehen und Initiativen der Einwohner*innen zu unterstützen und zu fördern.

Unterdessen haben SVP und FDP das Referendum gegen das Budget ergriffen. Alle, die es unterzeichnen tragen dazu bei, dass Olten bis Ende März erneut einen Shutdown erleben wird, ohne Schneesportlager, ohne Exkursionen, ohne Anlässe in den Museen und so weiter.

Wir werden uns aktiv gegen das Budgetreferendum engagieren und sagen JA zu einem lebenswerten Olten.

Tobias Oetiker, Nils Loeffel, Laura Schöni, Denise Spirig, Daniel Kissling

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Bild Credit: Terry Matthews


Budgetdebatte in der Eissportstadt: Teil 1 – Das Aufwärmen

Die November-Doppelsession starteten wir am Mittwochabend mit der Genehmigung der Kosten für die Instandstellung der alten Holzbrücke. Uns hat es sehr gefreut, dass in der Vorlage ein spezieller Budgetposten für Öffentlichkeitsarbeit eingeplant ist. Es ist also damit zu rechnen, dass die Bevölkerung aktiv in das Wiederinstandstellungsprojekt einbezogen wird. Die SVP versuchte noch erfolglos die 10’000 Franken für die Öffentlichkeitsarbeit zu streichen. Schlussendlich wurde das Projekt einstimmig bewilligt.

Kaum war die Holzbrücke durchgewunken, gings schon zum ersten Mal zur Sache: Kenntnisnahme des Finanz- und Investitionsplans des Stadtrates stand an. In diesem legt der Stadtrat dar, welche Ausgaben und Investitionen in den nächsten sechs Jahren geplant sind. Eigentlich eine simple Sache fürs Parlament, da es lediglich um die Kenntnisnahme geht und keine Änderungen daran vorgenommen werden können. Trotzdem gabs viele Voten und auch viele negative Rückmeldungen vornehmlich aus bürgerlichen Kreisen. Dass der Stadtrat plant in den nächsten Jahren wieder zu einem Investitionsvolumen zurückzukehren, welches einer Stadt unserer Grösse angemessen ist, gefällt nicht allen Parlamentsparteien. Da weniger Steuergeld von Firmen vorhanden ist als früher, ist das automatisch auch mit Steuererhöhungen und einer höheren Pro-Kopf-Verschuldung verbunden. Eine Vorstellung, die insbesondere den Vertretern einer Partei dermassen unangenehm ist, dass sie am Ende der Debatte die Kentnissnahme des Investitionsplanes verweigerten. Dies obwohl Kenntnisnahme ja nicht heisst, dass man einverstanden ist, sondern lediglich, eben, Kenntnisnahme.

Wie auch bei uns nachzulesen war, hat der Stadtrat bereits vor einigen Wochen angekündigt, dass das Aareufer zwischen Pontonierhaus und Gäubahnbrücke im Jahr 2019 saniert wird. Im Rahmen der Sanierung soll gleich auch ein neuer, öffentlicher Aarezugang mit Steinstufen (ähnlich denen beim Aarebistro) geschaffen werden. Offensichtlich hatte die Lektüre der stadträtlichen Unterlagen allen Parteien gezeigt, dass der Synergieeffekt von Sanierung des Uferwegs und gleichzeitiger Realisierung eines Aarezugangs enorm ist. So gab es in der Diskussion weitgehend positive Reaktionen. Ein Projekt ganz nach dem Gusto von Olten jetzt!: Ein neuer Aarezugang, effizient realisiert durch Kombination mit einem anderen Projekt. Das Ganze war so überzeugend, dass die Vorlage schliesslich mit 39:0 bei einer Enthaltung verabschiedet wurde.

Eine etwas leidige Geschichte waren die 60 zusätzlichen Stellenprozente in der Sozialregion Olten. Der Stellenplan der Sozialregion ist direkt an die Fallzahlen gebunden (125% auf 100 Fälle / § 39 Sozialverordnung Kt. Solothurn). Wird der Stellenetat nicht eingehalten, kommt es zu Kürzungen im Rahmen des kantonalen Lastenausgleichs. Trotz dieser Ausgangslage startete eine hitzige Diskussion darüber, ob es gerechtfertigt ist, die Stellenprozente zu erhöhen. Irgendwie hatte sich in einigen Köpfen die Idee festgesetzt, dass mehr Stellen bei der Sozialhilfe zu mehr Sozialfällen führen würden. Gleich wie bekanntlich mehr Feuerwehrleute zu mehr Bränden und mehr Lehrer zu mehr schlecht ausgebildeten Kindern führen, wie Tobias Oetiker (Olten jetzt!) betonte. Dass die Wortführer aus den Reihen der SVP und FDP mit ihrer Haltung die Mitarbeitenden der Sozialregion als unfähig oder gar aktiv gegen ihren Auftrag arbeitend darstellen, wurde ihnen wohl erst klar, als sie durch ein Votum von Luc Nünlist (JSP) explizit darauf hingewiesen wurden. Das Parlament bewilligte die Stellenerhöhung schliesslich mit 28:11 bei einer Enthaltung.

Kurz nach 22 Uhr schickte uns Parlamentspräsidentin Marlène Wälchli Schaffner nach Hause und verschob das Traktandum zu welchem im Vorfeld der Sitzung die weitaus meisten Absprachen, Überlegungen und WhatsApp Nachrichten erzeugt worden waren, kurzerhand auf Donnerstag.

Die Sitzung am Donnerstagabend startete also mit der Vorlage zur Sportpark AG. Ein erstes Mal war erkennbar, auf was sich das Parlament an diesem Abend einstellen musste. Lange und hitzige Diskussionen, mit wenig Kooperation. Die Vorlage zur Sportpark AG wurde von vielen Rednern als unausgegoren und schlecht präsentiert gescholten. Schliesslich stellten die Grünen einen Rückweisungsantrag der mit 20 zu 16 Stimmen bei einer Enthaltung erfolgreich war und so wurde das Geschäft an den Absender zurück geschickt. Voraussichtlich in der Dezembersession werden wir eine Neuauflage der Diskussion erleben.

Das beim Thema Eishockey in Olten alles etwas anders ist als bei anderen Themen zeigt folgende Episode: Parlamentsmitglieder die im Vorstand einer Organisation Einsitz haben und deshalb von einem Parlamentsentscheid betroffen sind, müssen bei der Verhandlung des Traktandums und bei der Schlussabstimmung in den Ausstand treten. Beim Eissport betrifft das die Mitglieder des Verwaltungsrats der Sportpark AG, Präsident Heinz Eng, Mitglied Deny Sonderegger und EHCO VR-Mitglied Christian Werner, die den Saal auch verliessen. Nicht so Stadtrat Thomas Marbet, seines Zeichens Vizepräsident des Verwaltungsrats der Sportpark AG. Er blieb nicht nur im Saal, sondern hielt auch noch ein fast 10 Minütiges Plädoyer zugunsten der Eissport Subventionsbeiträge und Investitionskosten. Einzig Kissi hinterfragte dieses Verhalten in einem Votum. Die anderen Fraktionen schienen sich nicht daran zu stören.

Nun waren wir also warm für die grosse Budgetdebatte.
Mehr dazu Morgen im Teil 2 dieses Berichtes.

Tobias Oetiker, Nils Loeffel, Laura Schöni, Denise Spirig, Daniel Kissling

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Der Grossvater und die Steuern

“Man kann nicht mehr ausgeben, als man einnimmt.” Solche Sätze sagen nicht nur Grossväter zu ihren Enkelkindern, auch in politischen Diskussionen fallen solche Lebensweisheiten immer wieder. Ein ausgeglichener Haushalt, ein Budget, das mit einer schwarzen Null abschliesst, ist das Ziel vieler Politiker*innen.

Diesen Donnerstag (22.11.) stimmt das Oltner Parlament über das Budget 2019 ab. Der Stadtrat beantragt darin u.a. eine Steuererhöhung um 4 % für natürliche und 2 % für juristische Personen auf 112% bzw. 110%. Kommt die vom Stadtrat vorgelegte Version durch, steht in der Erfolgsrechnung der Stadt Olten 2019 ein Minus von 789’000 Franken. Laut der Grossvater-Regel geht das nicht, und so ganz unrecht hat er nicht. Auch eine Stadt darf zwar Schulden machen, doch wenn Olten sich schon die “Lebenshaltungskosten” nicht leisten kann, wie sollen dann erst dringend notwendige Investitionen wie ein neues Schulhaus getätigt werden?

Nun gibt es zwei Möglichkeiten wie man in der Situation verantwortungsbewusst vorgehen kann. Rezept 1: weniger ausgeben. Rezept 2: irgendwie mehr einnehmen.

Von rechts wird primär das Rezept „weniger ausgeben“ propagiert. “Dann müssen wir den Gürtel halt enger schnallen”, würde der Grossvater sagen und das heisst: auf etwas verzichten. Die zwingend darauf folgende Frage: auf was? Die geplante Steuererhöhung des Stadtrates kommen primär daher, dass die Ausgaben der Stadt auf grund von externen Faktoren stark gestiegen sind. Finanzausgleich, Beiträge an Sek-P, Sozialkosten, Teuerungsausgleich für Lehrpersonen. Alles Ausgaben, die vom Kanton bestimmt, aber von der Stadt bezahlt werden müssen. Ausgaben, welche wir also auf städtischer Ebene höchstens indirekt und mittelfristig beeinflussen können.

Kommt hinzu, dass Olten schon in den vergangenen Jahren nicht einfach geprasst hat. Nach dem Wegfall der Alpiq-Millionen wurde nicht nur an vielen Orten gekürzt und gestrichen, sondern auch an sich notwendige Investitionen (z.B. im Werterhalt) aufgeschoben, die nun drängen. Auch der Grossvater wird nicht verneinen, dass man ein Dach flicken muss, wenn es ein Loch drin hat oder die defekte WC-Spülung ersetzt werden muss.

Um zu sparen müssten wir also andere Ausgaben senken. Die geplante Steuererhöhung bringt der Stadt Mehreinnahmen von 2.2 Millionen Franken pro Jahr. Einen solchen Betrag einzusparen ist nicht einfach. 2.2 Millionen sind etwa so viel wie uns jedes Jahr die Kindergärten in der Stadt kosten. Oder ein Drittel dessen was wir für die Primarschule ausgeben. Oder das, was uns die Musikschule, die Stadt- und die Jugendbibliothek pro Jahr zusammen kosten. Und würden wir alle drei städtischen Museen zutun und alle kleineren Kulturbeiträge zB. an die Kabarett-Tage, ans Kino Lichtspiele oder an Kunstschaffende streichen, dann hätten wir diesen Betrag immer noch nicht ausgeglichen.

Doch wie gesagt: Neben dem “weniger ausgeben” bleibt die Alternative des “mehr einnehmen”. Und das heisst in erster Linie: die Steuern erhöhen und natürlich hört das niemand gerne. Weder der pensionierte Grossvater, noch das Ehepaar mit zwei Kindern. Aber wie wirkt sich die vom Stadtrat geplante Steuererhöhung im Einzelnen überhaupt aus? Wieviel mehr Steuern zahlen wir bei einer 4 % Steuererhöhung für natürliche Personen effektiv? Wir haben den Finanzverwalter der Stadt gebeten das für uns auszurechnen:

Mehrbelastung bei 4 % Steuererhöhung

Diese Zahlen zeigen, dass die konkrete Mehrbelastung nicht sonderlich hoch ausfällt. Wenn bei unserem Ehepaar mit 2 Kids, beide Eltern arbeiten, dann zahlen sie etwas mehr als 300 Franken pro Jahr zusätzlich. Wenn man das in Relation setzt dazu, was wir in Olten mit 2.2 Millionen alles tun können, dann ist es das doch allemal wert, nicht? Und in jedem Fall einer weiteren schmerzlichen Sparrunde vorzuziehen.

Nur eben, wie eingangs erwähnt: Auch bei einer Steuererhöhung von 4 %, wie sie der Stadtrat vorschlägt, schreibt die Stadt noch rote Zahlen und zwar 789’000 Franken. Für eine schwarze Null müsste man also trotzdem noch mehr sparen. Oder eine noch grössere Steuererhöhung in Kauf nehmen. Konkret wären das 6 % auf total 114 %. Auch die daraus resultierende Belastung haben wir in einer Tabelle dargestellt:

Mehrbelastung bei 6 % Steuererhöhung

Mensch sieht: Auch das würde das Gros der Oltner Einwohnerinnen und Einwohner nicht in den finanziellen Ruin treiben. Natürlich würden unsere 4-köpfige Familie die ca. 150 Franken zusätzlich etwas schmerzen. Doch welche Familie in Olten verdient schon 125’000 Franken pro Jahr? Bei einer Familie mit rund 75’000 Franken Einkommen wären es sogar nur 60 Franken zusätzlich.

Olten Jetzt! ist nicht der Meinung, dass eine Stadt einfach mal grundsätzlich die Steuern erhöhen soll, wenn das Geld knapp wird. Natürlich muss immer wieder geprüft werden, ob die Ausgaben, die eine Stadt tätigt, gerechtfertigt und sinnvoll sind. Als Oltnerinnen und Oltner müssen wir uns immer fragen: Was erwarten wir von unserer Stadt? Was soll Olten seinen Einwohnerinnen und Einwohnern an Infrastruktur und Angebot zur Verfügung stellen?

Wer in der aktuellen Situation, nach Jahren des Knauserns und Hinauszögerns, nun aber behauptet, dass mit ein bisschen Sparen eine Steuererhöhung vermeidbar wäre, verkennt den Ernst der Lage. Und dabei geht es nicht einmal direkt um zukünftige Grossprojekte wie das neue Schulhaus oder den Bahnhofsplatz, sondern in erster Linie um den “Normalbetrieb”.

Der Grossvater hat schon recht: Auf lange Sicht sollte man nicht mehr ausgeben, als man einnimmt. Doch wenn das Dach ein Loch hat, dann reicht es nicht, etwas beim Essen zu sparen und es mit dem damit gewonnenen Geld notdürftig abzudecken. Dann muss man irgendwann die Mittel auftreiben, um es richtig zu flicken. Deswegen der Enkelin den Klavierunterricht zu streichen, das finden wir falsch und deshalb unterstützt Olten Jetzt! den Antrag des Stadtrats auf eine Steuererhöhung. Damit Olten weiterhin eine attraktive Stadt bleibt, die uns Einwohnerinnen und Einwohner etwas bieten kann.

Denn ist das nicht das Schöne an unserem System? Dass wir uns gemeinsam durch unsere Steuern Dinge wie eine Musikschule finanzieren können, die wir jede und jeder Einzelne sich alleine niemals leisten könnte.

Daniel Kissling, Tobias Oetiker, Laura Schöni, Denise Spirig

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Oltner Kalender 2019

Der Erlös aus dem Verkauf des Oltner Kalenders kommt Institutionen zugute, die in und für Olten etwas Gutes tun. Die dritte Ausgabe bietet 26 Olten-Ansichten, die von zwei Fotografinnen und sechs Fotografen zur Verfügung gestellt worden sind. Bis am Sonntag 25. November kann der Kalender im Internet unter www.oltner-kalender.ch vorbestellt werden.

Märzbild von Bruno Kissling

Wer den Oltner Kalender erwirbt, unterstützt eine oder mehrere Non-ProfitOrganisationen, die zur Lebensqualität in der Dreitannenstadt beitragen, sei’s im kulturellen oder im sozialen Bereich oder in der Jugendförderung. Für die Gestaltung und Herausgabe ist der Verein Oltner Kalender verantwortlich, bestehend aus Florian Amoser, Johanna Nyffeler, Tobias Oetiker und Kurt Schibler. Dank dem Entgegenkommen der Dietschi Print&Design AG kann der Bilderreigen in Olten gedruckt werden. Auch die beiden Oltner Buchhandlungen Klosterplatz und Schreiber unterstützen das Projekt generös, indem sie den Verkauf margen- und spesenfrei besorgen.

Novemberbild von Beni Widmer

Noch bis zum 25. November läuft der Vorvekauf im Internet unter www.oltner-kalender.ch. Wer den Kalender vorbestellt, kann mitbestimmen nach welchem Schlüssel der Verkaufserlös unter den verschiedenen Organisationen aufgeteilt wird. Wir werden zusätzlich zu den Vorbestellten Exemplaren noch einige weitere herstellen Lassen die dann direkt bei Schreiber und Klosterplatz erworben werden können.

Märzbild von Markus Fischer

Spektakulärer Unfall beim Bahnhof

Zwei Fahrzeuge mussten abgeschleppt werden.

Wie die Kantonspolizei mitteilt, kam es auf dem Bahnhofquai in Olten am Sonntagabend zu einer Kollision zwischen zwei Personenwagen. Zwei Personen wurden leicht verletzt.

Am Sonntag, 4. November 2018, gegen 21.50 Uhr wollte der Lenker eines schwarzen Personenwagens von der Gösgerstrasse herkommend in Richtung Bahnhofquai einbiegen. Dabei übersah er einen weissen Personenwagen, der auf der vortrittsberechtigen Strasse vom Bahnhofquai in Richtung Innenstadt fahren wollte.

In der Folge kam es zur Kollision zwischen den beiden Fahrzeugen. Das schwarze Auto prallte anschliessend in die Absperrung eines Fahrradabstellplatzes, der Lenker blieb unverletzt. Die beiden Insassen des weissen Autos zogen sich leichte Verletzungen zu. Beide Fahrzeuge wurden abgeschleppt.

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