Egal wie es ausgeht, das Leben in Olten geht weiter

Heute um zirka 14 Uhr wissen wir, wie die Budgetdebatte um Olten ausgegangen ist. In der sehr emotional geführten Debatte um das Budget 2019 wurden viele Fakten verdreht und auch teilweise von allen Seiten unbestrittene Budgetpositionen als Abstimmungsthema hochstilisiert.

Fakt ist:

  1. Sollte das Budget abgelehnt werden, dann wird sich der Stadtrat sehr betrübt zeigen, das Resultat bedauern, gleichzeitig auf wundersame Weise innerhalb kürzester Frist einen «Plan B» vorlegen können, den es vorher nicht gegeben hatte. Die Abstimmungsgegner werden mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit kein zweites Referendum ergreifen und in den kommenden Jahren wird man sich aufgrund der Entwicklungen dennoch über leichte Steuererhöhungen Gedanken machen müssen. Es wird investiert werden, mit Bedacht und innovative und kreative Ideen müssen entwickelt werden, welche allfällige Streichungen betreffen.
  2. Dem Budget wird zugestimmt und der Stadtrat wird bekräftigen, dass er sich in der Stossrichtung durch den Entscheid der Bevölkerung gestärkt fühlt und selbstverständlich ist dann auf wundersame Weise der Finanzplan, welcher bei der Abstimmung angeblich kein Teil der Vorlage war, trotzdem der Kompass nach welchem sich die Finanzplanung der kommenden Jahre richten wird. Die Steuern ziehen kräftig an und erwirtschafteten Mehrerträge werden grosszügig in Beton verbaut. Es werden weiter grosszügig Planungskredite vergeben und im Stadthaus geht es weiter wie bisher.

Wie auch immer, heute wird demokratisch entscheiden und die Minderheit hat sich zu fügen. Gleichzeitig muss sich der Stadtrat in jedem Fall die Frage gefallen lassen, ob mit dieser «All In»-Strategie bei Budgetgeschäften der Sache Rechnung getragen wird und ob nicht endlich eine offene und transparente Kommunikation aus dem Stadthaus zu Sachgeschäften angezeigt wäre.

Geniessen wir also den sonnigen Sonntag und freuen wir uns auf einen frühlingshaften Nachmittag.

Einkaufen am Abend

In Olten haben die normalen Läden an normalen Tagen so bis 18:30 offen und einmal in der Woche bis 20:00 und am Samstagen bis 18:00. Das ist vermutlich so oder sehr ähnlich schon seit vielen Jahrzehnten.

Nun kann es sich als leichte Herausforderung herausstellen, sich an diese Zeiten zu halten. Stellen wir uns jemanden vor, der nicht in Olten selbst arbeitet, sondern vielleicht eine Stunde Zugfahrt pro Arbeitsweg hat, dann normal ca. 8-9 Stunden arbeitet und dazu eine Stunde Mittagspause. Dann ist dieser fiktive Oltener schon 11 bis 12 Stunden abwesend, z.B. von 8:00 bis 19:00 oder von 8:00 bis 20:00. Stellen wir uns vor, dass er noch an einem Teil der Wochenenden abwesend ist, z.B. wegen einer Fernbeziehung oder sogar manchmal an den ersten vier Tagen der Woche etwas mehr arbeitet, um schon Donnerstag abends direkt von der Arbeit abzureisen, dann wird die Schnittmenge mit den Öffnungszeiten recht klein. Nun gibt es auch noch Arbeitsorte, die keine Einkaufsmöglichkeiten aufweisen. Das mag etwas konstruiert wirken, aber die Lebensumstände sind vielfältig und da kann so etwas schon mal vorkommen.

Man muss deshalb nicht verhungern, denn Olten hat einen Bahnhof und man bekommt dort ein etwas kleineres Sortiment auch zu später Stunde noch. Manche Dinge kann man im Internet bestellen, muss dann aber sicherstellen, dass das Paket nicht beim Postamt abgeholt werden muss.

Aber die Frage ist, wie zukunftsträchtig diese Öffnungszeiten noch sind. In der Zeit, als sie entstanden, war es wahrscheinlich der Normalfall, dass man als Paar oder Familie zusammen wohnte und mindestens ein Familienmitglied vor 18:00 zu hause war. Aber hat der Anteil der Haushalte, für die das zutrifft, zugenommen oder abgenommen? Soll man Leute, die in Olten wohnen, durch die Ladenöffnungszeiten ermutigen, anderswo einzukaufen?

Als Grund für die frühen Ladenschlusszeiten wird oft die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter genannt. Dafür hat man aber z.B. in Schweden, die Lösung gefunden, dass für Zeiten außerhalb einer gewissen Kernzeit der Lohn erheblich höher ist (z.B. Faktor 1.5 am Abend und am Samstag).

Gerade in Olten, wo viele Leute wegen der Bahn wohnen, sei es weil sie für die Bahn arbeiten, sei es weil sie mit der Bahn zum Arbeiten fahren, wäre es sicher wünschenswert, die Ladenöffnungszeiten zumindest Montag bis Samstag zu liberalisieren.