Schattenwurf XXL

Olten Südwest: Verschlimmbesserung durch Gigantismus.

Kurz vor Anordnung der Corona-Massnahmen wurde im Stadthaus am 24. März 2020 unter „Öffentliche Planauflage Olten SüdWest“, ein Gestaltungsplan mit Sonderbauvorschriften und weiteren Dokumenten öffentlich aufgelegt und im Internet publiziert. Das Problem ist nur, dass das Stadthaus während Corona nicht wie normal frei zugänglich und die Bewegung der Bevölkerung stark eingeschränkt ist. Gleichzeitig ist das Dossier mehr als heikel, verändert dessen Umsetzung das Oltner Stadtbild irreparabel. Da sich viele Menschen derzeit mit Corona und nicht mit Planauflagen beschäftigen, wird es wohl kaum zu Einsprachen kommen.

Wer in diesen Tagen die Regeln des Bundesamts für Gesundheit befolgt und nur Spaziergänge in der Gemeinde und mit genügend Distanz unternimmt, weicht zum Beispiel aufs Gheid aus. Spätestens draussen beim Flugplatz, zwischen Sportstrasse und Gheidweg, erschrickt man über die Höhe der aktuell ausgesteckten Bauprofile auf dem Areal von Olten Südwest. Denn erst vor Ort wird richtig sichtbar, welche Dimensionen die künftige Überbauung aufweisen wird.

Planauflage mit 43 Meter hohen Wohntürmen beim Bahnhof Olten Hammer

Statt 16 Meter neu 43 Meter

Die Überbauung Olten Südwest mit ihren 16 Meter hohen Wohneinheiten war bisher optisch nur durch die Gäubahnlinie der SBB von der Stadt abgetrennt und in eine Landschaftsmulde eingebettet. Bald wird eine zur Stadt hin gerichtete Mauer aus Wohntürmen hinzukommen und die Siedlung hufeisenförmig umranden. Olten Südwest wird sich optisch noch stärker abgrenzen. Denn die neu geplanten Gebäude werden nicht nur gross, sie werden riesig.

Um die Grössenordnungen zu verstehen: Das Oltner Getreidesilo im Hammerquartier hat eine Höhe von 50 Metern, das Stadthaus ist 44 Meter hoch.

Rote Kreise sind die Höhenprofile der künftigen Wohntürme von Olten Südwest

Irreparable Schäden am Oltner Stadtbild

Die Siedlungen der Innenstadt Olten fügten sich bisher mit Ausnahme des Stadthauses und des Getreidesilos in das Landschaftsbild der hügeligen Juralandschaft ein. Betrachtet man jetzt die ausgesteckten Bauprofile von Olten Südwest vor Ort, so wird schnell klar, dass nach dem Bau von Westen her nur gerade noch die Spitzen der Martinskirche sichtbar sein werden.

Fahne auf dem Stadthaus verschwindet hinter Beton

Je nach Blickwinkel werden auch die am Hang gebauten Schulhäuser Frohheim und Kanti nicht mehr zu sehen sein. Selbst das markante Stadthaus mit seinen 44 Metern Höhe wird vom Flugplatz aus gesehen hinter einer Häuserwand von Wohntürmen verschwinden.

Hammerquartier am meisten betroffen

Zu welchem allabendlichen Schattenwurf die geplanten Wohntürme im Hammerquartier beitragen werden, darüber darf spekuliert werden. Die Silhouette der Stadt Olten wird nachhaltig beeinflusst. Spätestens nach einem Spaziergang im Gheid wird klar, dass jetzt der wirklich allerletzte Zeitpunkt ist, dieses landschaftlich beherrschende und das Stadtbild komplett verändernde Projekt ganz grundsätzlich in seiner Grösse zu hinterfragen.

Brauchen wir in Olten ein von einem Zürcher Investor gesteuertes Megaprojekt dieser Dimension überhaupt? Hat man sich im Stadthaus nicht komplett verrannt, nachdem bereits die Gestaltungspläne des Ursprungsprojekts sich nicht bewährt haben? Es wäre jetzt der richtige und letztmögliche Zeitpunkt, dieses gigantische Projekt zu stoppen, damit wir uns gegenüber unseren nachfolgenden Generationen nicht verantworten müssen, wer das Südwest-Quarter so geplant und dessen Bau so zugestimmt hat.

Intransparenz und Verschlimmbesserung

Statt eine ökologisch nachhaltige und zeitgemässe Bauweise eines neuen Stadtteils zu realisieren, wurde bereits beim ersten Baufeld durch die Terrana AG Rüschlikon eindrücklich bewiesen, wie in der Realität gebaut wird. Ölheizungen inklusive.

Um dies nochmals zu verdeutlichen, die damaligen 3D-Visualisierungen aus der Ursprungszeit und wie der Oltner Bevölkerung die ursprüngliche Quartierüberbauung schmackhaft gemacht wurde. Von Balkonen, begrünten und schattenspendenden Flächen und parkähnlichen Gestaltungen mit Sonnenschirmen und grosszügigen Aussenanlagen ist kaum etwas geblieben.

Ursprüngliche Visualisierung von Olten Südwest

Stadthaus drängt auf den Bau der Passage Hammer

Gerade in Zeiten von Corona und den sich noch weiter abzeichnenden gravierenden wirtschaftlichen Folgen und Steuerausfällen, müssen Finanzmittel noch stärker priorisiert und noch gezielter eingesetzt werden.

Jetzt auf Biegen und Brechen rund 20 Mio. Franken zweckgebundene Steuergelder (Mehrwertabgabe) dem Investor in Form einer neuen Passage zwischen Bahnhof Olten Hammer und Olten Südwest auf Vorrat zur Verfügung zu stellen, hat in Zeiten von Corona und seinen weiteren Folgen einfach keinen Platz mehr.

Es ist auch nicht der richtige Zeitpunkt, alleine mit der Realisierung einer 20 Mio. teuren neuen Unterführung zu hoffen, dass ähnlich wie beim Düngen eines Rasens nun endlich ein Quartier zu wachsen und aufblühen beginnt.

Gigantismus keine Lösung für verpatzte Planung eines ganzen Stadtteils

Wenn wir uns ehrlich eingestehen, wurde das Projekt Olten Südwest schon von Beginn weg schlecht aufgesetzt. Jetzt stellt sich die Frage, warum sich nun im Grundsatz wesentliche Änderungen ergeben sollten, indem der Bevölkerung nun neue Gestaltungspläne der Dimension mit XXL-Wohntürmen aber in der gleichen Machart vorgelegt werden?

Spätestens wer die verschiedenen Bauprojekte der Terrana AG Rüschlikon im Grossraum Zürich einmal besichtigt hat, wird sich bei dieser Frage kaum Hoffnungen machen, dass in Olten am neu aufgelegten Projekt grundlegend anders gebaut werden wird.

Dass man nachhaltig, qualitativ und zeitgemäss bauen könnte, zeigen Oltner Siedlungen wie Platanen oder Bornfeld. Gerade in Zeiten der Corona-Krise wäre genau jetzt der richtige Zeitpunkt, sich grundsätzliche Fragen zur XXL-Planauflage von Olten Südwest zu stellen.


Öffentliche Planauflage Olten SüdWest

Die Stadt Olten publizierte am 24. März 2020 auf ihrer Internetseite folgende Information:

Auf Grund der Bestimmungen des kantonalen Planungs- und Baugesetzes werden in der Zeit vom Montag, 30. März, bis Dienstag, 28. April 2020, die Teiländerung Zonenplan «Olten SüdWest 2018», der Gestaltungsplan mit Sonderbauvorschriften «Olten SüdWest 2018» sowie der Erschliessungsplan «Olten SüdWest 2018» GB Olten Nrn. 6310, 6311, 6312, 6313, 6314, 6315, 6316, 6317, 6318, 2341 und (Strassen-Nr.) 90324, 6409, 6410, 6411, 6412 öffentlich aufgelegt.

Auflageort: Stadthaus, Dornacherstrasse 1, Olten, Empfang im Erdgeschoss

Das Auflagedossier ist auch hier aufgeschaltet.

Einsprachen sind schriftlich und begründet im Doppel bis am 28. April 2020 (Poststempel) an die Stadt Olten, Direktion Bau, Dornacherstrasse 1, 4601 Olten, einzureichen.

Autor: Christian Ginsig

In Olten zuhause aber gerne unterwegs. Digital is the future.

3 Kommentare zu „Schattenwurf XXL“

  1. Lieber Herr Ginsing. Vielen Dank für ein nicht-Corona-Thema; wahrlich erfrischend! Auch Danke für den Steilpass zum Thema „Hochhaus“. Sie haben recht: OltenSüdwest ist ein schwieriges Thema, herbeigeführt von Fehlentscheidungen der Politiker (und Einwohner Oltens). Ich kenne weder den Investor, noch das Projekt im Detail (auch ich darf nicht ins Stadthaus), aber ich kenne das Thema „Stillstand vs Fortschritt“. Die von Ihnen aufgeführte Höhe gilt im Jahr 2020 in der Schweiz als „Standard“ (e.g. nicht: visionär) und der Schattenwurf darf – weit weg vom urbanen Zentrum Oltens – als vernachlässigbar bezeichnet werden. Apropos Vision: wer und wie hat vor vielen Jahrzehnten inmitten unserer wunderbaren Altstadt ein Hochhaus (gleicher Höhe notabene) geplant und gebaut ?! Ich wundere mich noch heute. Aber genauso wie Sie das Oltner Stadthaus (neben dem Kirchturm) als „DNA von Olten“ bezeichnen, werden Ihre Kinder und Enkel die Türmchen in Olten Südwest als schützenswert betrachten. Dann ist der Fortschritt von heute eben nur noch Nostalgie.

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    1. Lieber Herr Jung, vielen Dank für Ihre Einschätzung. Verstehen Sie mich bitte richtig, Fortschritt ist wichtig und ich bin ein Fan moderner, funktionaler und zeitgemässer Architektur. Deswegen hatte ich mir schon vor Jahren die Zeit genommen, die verschiedenen Projekte der Terrana AG im Grossraum Zürich zu besichtigen. Das erste Baufeld von OSW wurde exakt im gleichen Muster aus dem Boden gestampft, wie es zu erwarten war. Die Leerstandsquote hat durchaus ihre Gründe. – Hochwertiger Wohnraum, an verkehrstechnisch erschlossener Lage, wäre gefragtes Gut. Es gibt in vielen Schweizer Städten hervorragende Beispiele, wie verdichtet gebaut werden kann. Das braucht dann den nötigen Mut, zahlt sich aber langfristig aus. Sowohl für den Investor, als auch für die Gemeinde in Bezug auf Steuererträge. Am Beispiel OSW wegen des neuen Gestaltungsplans nun auf den grossen Wurf zu warten, wäre reichlich naiv. Die Suppe schmeckt nicht besser, nur weil sie in einem grösseren Topf kocht. Apropos Stadthaus: Ich persönlich hätte einen funktionalen Neubau der Sanierung vorgezogen. Moderne Arbeitsumgebungen hätten der Stadtverwaltung gutgetan und es wäre auch eine Chance gewesen, die Innenstadt neu zu denken. Visionen sind wichtig und ich hoffe bald von Ihrem Projekt Neues zu erfahren. Es täte der Stadt Olten sehr gut.

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  2. Ist es rechtlich zulässig im Falle einer Krisensituation wie die Zeit unter Corona, Bauprojekte auszuschreiben? Es ist ja gar nicht allen möglich sich zu informieren (kein PC, kein Zugang zum Stadthaus).

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