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Säliquartier eingesperrt oder Durchgangsverkehr ausgesperrt?

Geplante Barrieren sorgen für Unmut bei den Anwohnern im Säliquartier.

Verkehrsmassnahmen erhitzen immer die Gemüter. Besonders in Olten. So auch die jüngste Ankündigung des Stadtrats, die Quartiere Säli und Wilerfeld besser vor Durchgangsverkehr zu schützen. Dies mit dem Lösungsansatz von Barrieren. Das stösst vielen Anwohnern sauer auf und sie verschaffen sich in Sozialen Medien Luft. Auslöser für diese verkehrstechnische Misere ist der seit Jahren bestehende und indirekt auch tolerierte Schleichverkehr zwischen Aarau und Aarburg quer durchs Wohnquartier. Die Baustelle am Oltner Bahnhofquai hat das Fass nun zum Überlaufen gebracht.

Ein Jahr dauert der Versuch, das Säliquartier vor Durchgangsverkehr zu schützen. Der Stadtrat entzieht dabei Einsprechenden die aufschiebende Wirkung. Verkehrstechnisch ist mit der Baustelle am Bahnhofquai das eingetroffen, was Anwohnerinnen und Anwohner im Quartier längst wissen und was man in der zuständigen Bauabteilung in Solothurn nicht wahrhaben wollte oder sogar stillschweigend tolerierte. Der Durchgangsverkehr auf den verstopften Hauptachsen weicht auf die Wohnquartiere aus.

Wenn Olten jetzt nicht endlich reagiert, leiden die Anwohnerinnen und Anwohner weiter massiv unter Fremdverkehr, insbesondere in den Hauptverkehrszeiten, wenn die Kantonsstrassen zugestaut sind. Genau dann wird oft die Quartierstrasse mit einem Schleichweg verwechselt und die durchfahrenden Fahrzeuge tun dies meist nicht so rücksichtsvoll wie Anwohner im Quartier. Der Autofahrer im Transit hat sein Ziel Autobahn im Visier und will mit optimalster Geschwindigkeit möglichst schnell von A nach B fahren. Wer im Säliquartier wohnt hat längst damit aufgehört, den Rechtsvortritt beim Einbiegen in die Sälistrasse einzufordern.

Wendemanöver vor dem Hauptsitz von Arkadis und Rundkurse via Tannwaldstrasse zurück zur Autobahn

Die aktuelle und von Solothurn verordnete Verkehrslenkung am Bahnhof via Postplatz nach dem zwei Kilometer entfernten Dulliken und retour, um dann legal nach Aarburg einzuspuren, wird spätestens seit der Einführung von Smartphones und Navigationssystemen zu einem reinen Schildbürgerstreich aus einer Schreibstube aus dem oberen Kantonsteil.

Klassisches Wendemanöver vor dem Hauptsitz Arkadis an der alten Aarauerstrasse um zur Autobahn zu gelangen.

In der Realität fahren Autofahrende nicht nach Dulliken, sondern sie zweigen sofort rechts ins Quartier ein um vor den Hauptsitz von Arkadis an der alten Aarauerstrasse zu wenden. Andere fahren via Tannwaldstrasse am Restaurant Flügelrad vorbei und biegen via Neuhardstrasse wieder zurück nach Aarburg in die Kantonsstrasse ein.

Die dritte Kategorie von Autofahrenden wird dank digitaler Unterstützung via Navigationssystem über die Riggenbachstrasse – Reiserstrasse – Sälistrasse nach Aarburg gelotst. Wendemanöver und die Missachtung von Durchfahrtsverboten sind an der Tagesordnung.

Navigationssysteme lenken durchs Wohnquartier

Nebst einer Volksmotion von Anwohnerinnen und Anwohnern der Maienstrasse ist insbesondere diese Baustelle am Bahnhofquai ein weiterer triftiger Grund, warum der Stadtrat zu so harten Massnahmen wie Barrieren und sogenannten „Verkehrsscheiden“ greift. Denn die Reiserstrasse ist heute bereits so stark vom Durchgangsverkehr belastet, dass selbst die sehr autofreundliche SVP einen Vorstoss via Gemeindeparlament einreichte, um hier Abhilfe zu schaffen.

Kinder bei der Querung der Reiserstrasse
Kinder auf der Riggenbachstrasse bei der Querung der Reiserstrasse

Autofahrende erhalten bereits heute baustellenbedingt oft Routenanweisungen die via die Quartierverbindungen Riggenbachstrasse – Reiserstrasse – Sälistrasse lenken. Die Kontrollschilder BE, LU, ZH sprechen eine deutliche Sprache.

Coop Wylerfeld und Denner Gartenstrasse vom Säliquartier her hinter den Barrieren

Nun macht sich bei einzelnen Quartierbewohnern aber auch liberal eingestellten Politikern der anderen Stadtseite der Unmut breit, denn die in der Facebook Gruppe Olten publizierten Karten zeigen auf, wo es zu Verkehrssperren gegen den Durchgangsverkehr kommen soll.

  1. Eine Barriere soll die Riggenbachstrasse Höhe des Bifang-Kindergartens abtrennen. Damit werden Autofahrende davon abgehalten, die in Navigationssystemen als Umwegroute vorgeschlagene Abkürzung Postplatz – Säliquartier – Autobahnzubringer A1 zu fahren, statt über die ausgeschilderte Umfahrung ERO auszuweichen.
  2. Eine weitere Barriere trennt die Gartenstrasse auf Höhe des Vögeligartens vom Wilerfeldquartier ab. Damit soll verhindert werden, dass Quartierquerungen in der Gegenrichtung vom Sälikreisel – Sälistrasse – Gartenstrasse in Richtung Aarau erfolgen.
  3. Eine Verkehrsscheide auf dem Maria-Felchlin-Platz vor der Friedenskirche teilt die vom Durchgangsverkehr bereits enorm betroffene Reiserstrasse in zwei Teile. Die von Aarau via Kapelle – Reiserstrasse – Sälistrasse – Autobahnzubringer Aarburg fahrenden Quartierdurchquerer werden so von einer Autofahrt via Wohnquartier definitiv abgehalten.

Die Bestellung von Polizeikontrollen kostet Geld und ein juristischer Nachweis ist schwierig

Die Stadt könnte bei der Kantonspolizei gegen Entgeld zusätzliche Kontrollleistungen verlangen. Diese würden subjektiv sicher gut aufgenommen, sind zeitlich aber auch immer beschränkt. Zudem muss die Polizei einem Quartierdurchquerer immer diese Fahrt lückenlos nachweisen können, denn der Besuch auf dem Sälischlössli, der Einkauf im Quartierladen oder ein Besuch bei Bekannten ist nicht verboten.

Allerdings macht es sich insbesondere die Leitung der Kantonspolizei Solothurn doch sehr einfach, die Anwohner der grössten Stadt im Kanton einfach im Regen stehen zu lassen, denn die Ahndung der Missachtung von Verkehrsregeln gehört zu den Kernaufgaben einer Polizei. Schwerpunktkontrollen, wie sie zur Eröffnung der ERO der Bevölkerung im Säli versprochen wurden, sind längst in Vergessenheit geraten. Ein Versäumnis der Leitung der Kantonspolizei, ihre Mitarbeiter entsprechend auch zu personalintensiven Einsätzen ins Oltner Wohnquartier zu delegieren.

Barrieren sind ein Übel aber Stadtrat erfüllt Volksauftrag

Das diese Barrieren für autofahrende Anwohnerinnen und Anwohner eine Zumutung bedeuten, ist absolut unbestritten. Aber man kann den Bären nicht waschen, ohne den Pelz nass zu machen. Würde der Stadtrat auch diesem Volksauftrag nicht Folge leisten, würden in der Konsequenz sehr viele Anwohnerinnen und Anwohner im Zuge der Umbauarbeiten auf der Kantonsstrasse auch weiterhin massiv unter Fremdverkehr leiden.

Geplante Barriere Riggenbachstrasse
Geplante Barriere Riggenbachstrasse Höhe Kindergarten Bifangschulhaus

Die Barrieren und Hindernisse können durch den Langsamverkehr auf den Seiten gequert werden, Autofahrende müssen via Hauptachsen zu den Lebensmittelläden wie Migros Sälipark oder Coop Wilerfeld fahren, was in den meisten Fällen für motorisierte Anwohner einen kleinen Umweg bedeutet, technisch aber problemlos zu bewältigen ist, der Fuss bleibt einfach etwas länger auf dem Gaspedal.

Die Barrieren haben auch Konsquenzen für die bis anhin illegal querenden Anwohner aus dem Säliquartier in Richtung Aarau. Die Abkürzung Meisenhard-Aarau ist auch für sie nicht mehr befahrbar.

Fehlende Strategie in der Verkehrsplanung der Stadt

Wir tun gut daran, diesen Versuch für ein Jahr zu nutzen, um Erfahrungen zu sammeln, wie wir in Oltens Quartieren künftig mit dem Fremdverkehr umgehen wollen. Von den Erkenntnissen aus diesem Versuch werden auch die Quartiere auf der linken Stadtseite profitieren.

Am Schluss sind es vielleicht einfach kontrollierbare Stadtvignetten an den Scheiben oder eine im Auto aufliegende Quartierkarte, welche Bewohner als Berechtigte ausweist. Wir sind es aber den Anwohnerinnen der Maien- und Reiserstrasse und all den weiteren verkehrsgeplagten Quartierstrassen schuldig, diesen Test jetzt durchzuführen. Er ist zeitlich klar begrenzt und der Stadtrat folgt in diesem Fall einem klaren Auftrag der Quartierbevölkerung, welche diesen Antrag via Gemeindeparlament eingebracht hatte.

Klar verursachen die oft auch räuberisch fahrenden Pizzakuriere und Paketlieferdienste einen gewissen Anteil am Verkehr im Quartier. Olten hat sich aber selbst ein Bein gestellt, indem die ERO Olten nicht gleich bis zum Kreisel in Dulliken untertunnelt weitergeplant wurde, was für eine echte Entlastung des Schleichverkehrs gesorgt hätte. Ein Freipass zur illegalen Quartierquerung darf daraus trotzdem nicht entstehen.

7 Kommentare zu “Säliquartier eingesperrt oder Durchgangsverkehr ausgesperrt?

  1. Endlich wird mit baulichen Massnahmen gegen den Schleichverkehr vorgegangen. Das ist die einzige effiziente Möglichkeit, den Durchgangsverkehr in Quartieren zu unterbinden.
    In Gebieten mit „Zubringerdienst gestattet“ ist es nur mit sehr grossem Aufwand möglich, die Durchfahrt zu beweisen. Deshalb finde ich es von den Behörden billig (nicht im finanziellen Sinne, ganz im Gegenteil), wenn sie diese Aufgabe einfach auf die Polizei abwälzen. Mit einfachen baulichen Massnahmen kann die Polizei von dieser undankbaren Arbeit entlastet werden.

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  2. Ich bin selbstverständlich auch gegen Schleichverkehr in den Quartieren. Eins möchte ich aber gerne noch wissen: Wie geht das bei Barrieren, wenn mich ein Kollege mal besuchen möchte, wenn mir ein Möbelhaus mal ein neues Bett bringt, wenn der Gärtner aus dem Nachbardorf vor meinem Haus parkieren soll? (etc.)
    Muss man dann jeweils auf irgendeinem Büro eine Bewilligung verlangen? Auch wenn’s pressiert, weil der Kühlschrank kaputt gegangen ist? Das wäre ja ein riesiger bürokratischer Aufwand, den irgend ein Amt im Stadthaus leisten müsste.

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    • Christian Ginsig

      Die Barrieren können nur durch autorisierte Fahrzeuge geöffnet werden, zum Beispiel der Bus von BOGG. Die Zufahrt für das Möbelhaus, den Lieferdienst oder den Kollegen ist ja nicht eingeschränkt, denn die Zufahrten von den Hauptachsen her ist ja nach wie vor möglich. Betroffen sind die Querungen im Quartier, der normale Zu- und Abfluss ist weiterhin möglich.

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  3. Max Steiner

    Wenn ich die Situation richtig interpretiere müssen alle Quartierbewohner, die vom Sälipark kommen und oberhalb der neuen Barriere an der Riggenbachstrasse wohnen, den Umweg über den Bifangplatz in die Engelbergstrasse nehmen. Das wird Rückstaus bis zum Sälipark geben.
    Betreffend Aufwand bezüglich Polizeikontrolle: Da vom Käppeli zum Wilerweg sowie von der Kaserne zum Wilerweg Sichtkontakt besteht, könnte doch jeder durchfahrende Auswärtige gebüsst werden.

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    • iwan wyss

      Ich bin derselben Meinung, dass die Verbotstafeln für die Quartiereinfahrt so interpretiert werden können (nämlich nur Anwohner der jeweiligen Quartiere haben Durchfahrtsrecht, nicht auch deren Besucher). In dem Fall wäre das Büssen gemäss dieses Ansatzes einfach möglich. Wer Aarauerstrasse-Wilerweg oder umgekehrt durchfährt und nicht AnwohnerIn eines der beiden Quartierteile ist (oder jemanden daraus dabei hat..), ist somit illegal durch. Die Abkürzung vom Sälikreisel her macht dann keinen Sinn mehr wenn man trotzdem am Wilerweg an der Kreuzung unten steht weil man nicht mehr gerade durchkann. Und oberhalb des Säliparks kann man allenfalls Höhe FHNW immer noch ne Barriere hinstellen, um die letzte Abkürzung vom Bifang via Reiserstrasse noch abzuschneiden. Ich frage mich allerdings schon wieviel Leute da effektiv illegal durchfahren, also nicht Bewohner des Quartiers sind.
      Hab mich auch gegenüber der Stadt entsprechend geäussert, im Zusammenhang mit der generellen Kritik an vielen Punkten des aktuellen Vorhabens. Es gibt auch Stimmen die sagen, dass auch Besucher das gegenseitige Durchfahrtsrecht haben und das historisch so gewollt wurde.
      Aber wahrscheinlich wird das Ganze jetzt aufgrund des ach so dringlichen Vorstosses von Frau Rüegg (SVP) durchgedrückt. Ob das jetzt in ihrem Sinne ist? Der andere Vorstoss eines teils der Anwohner ist ja nur der letzte einer langen Folge vergeblicher Mühen da endlich konkret was zu bewegen. Insofern habe ich da gewisses Verständnis dafür wenn da jubiliert wird ob der praktisch verkehrsfreien Maienstrasse und nun halt die anderen den Verkehr abbekommen. Der Stadtrat macht hiermit aber eher ein divide et impera als eine gute Lösung für das ganze Quartier. oder meinetwegen eine für alle ähnlich besch..eidene Lösung. Mit nur einer einzige Variante in der Praxis prüfen kann man ganz bestimmt nicht zur besten Lösung finden, ich hätte da schon zumindest 3-4 Varianten erwartet die während einiger Monate getestet werden und dann, gemeinsam mit der betroffenen Bevölkerung. Leider fehlt natürlich ein entsprechendes Konzept oder wurde jedenfalls nicht kommuniziert. Das hätte ja allenfalls die Akzeptanz erhöhen können, oder Komprisse ermöglichen, bei denen alle ein wenig Abstriche machen müssen. Auf die aktuelle Weise sind die Fronten schon mal prophylaktisch weiter verhärtet worden, ob gewollt oder als Bilateralschaden..schade.

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  4. Urs Knapp

    Lieber Christian. Du greifst in deinem Kommentar viele grundlegende Punkte auf. Aber eine wichtige Frage blendest du vollkommen aus: Warum verweigert sich der Stadtrat dem Gespräch mit der Quartierbevölkerung? Der Stadtrat ordnet vom hohem Turm aus Massnahmen an – andere (vielleicht sogar bessere!) Ideen will er nicht zulassen. Deshalb schränkt er bei der Ausschreibung der Verkehrsmassnahmen die demokratischen Mitspracherechte der Anwohnerinnen und Anwohner ein. Das macht die Bevölkerung zurecht wütend. Solches Verhalten einer Regierung zeugt nicht von Stärke. Nein, dieses Verhalten zeigt Schwäche.

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  5. Was mich erschreckt, dass es Autofahrer gibt, die einfach aufs Trottior ausweichen und um die Barriere herumfahren.
    Kinder spielen im Vögeligarten und springen oft aufs Trottoir. Sehr gefährlich.

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