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Ladies and gentlemen, we are arriving in Olten

Deutschunterricht ist Voraussetzung für die rasche Integration.

Etwa so kann man die Ankunft in Olten für die über einhundert Menschen aus der Ukraine bezeichnen. Sie sind nach dem Angriffskrieg seit Ende Februar in die Schweiz geflüchtet und kommen nun langsam bei uns an, im kleinen Städtchen an der Aare.

Verfolgt man die Diskussionen in der Community der Ukrainer in Olten, so sind weiter die Deutschkurse das wichtigste Thema, was die Menschen aus Charkiw, Mariupol und anderen Teilen der Ukraine hier bei uns in der Dreitannenstadt am meisten beschäftigt. Deutsch ist der Schlüssel für den Dialog.

Jeweils Dienstags wird am „Welcome Point“ in Olten diskutiert, informiert und Neuigkeiten ausgetauscht. Anfang Juni fand eine grosse Kleiderbörse statt, eine Woche darauf erklärten Vertreter der UBS, wie man Bankkonten in der Schweiz eröffnet. Der jüngste „Welcome Point“ beschäftigte sich mit der Geschichte unserer Stadt. Olten Tourismus lud zum Stadtrundgang und erklärte die Sehenswürdigkeiten wie Chöbu und Stadtturm und was unser Städtchen sonst noch zu bieten hat.

In 55 Minuten war der Mariensaal leergeräumt

Anfang Juni fand unter Leitung von Doris Meister (Gemeinnütziger Frauenverein) und Antonia Hasler (katholische Kirche Olten) eine Kleiderbörse statt. Vorgängig wurden haufenweise Kleider gesammelt, sortiert und an einem Samstagmorgen an die Menschen verteilt. Eigentlich hätte die um 10 Uhr startende Börse bis um 14 Uhr dauern sollen, nur war nach 55 Minuten der Kirchensaal an der Engelbergstrasse leergeräumt.

Mittlerweile konnte das Rote Kreuz an der Ziegelfeldstrasse direkt neben Fust einen kleinen Kleiderladen für gespendete Kleider eröffnen. Kleiderspenden sind deshalb weiterhin willkommen und das Rote Kreuz ist dankbar für hochwerte Kleider für Kinder und Erwachsene. Der Kleiderladen an der Ziegelfeldstrasse öffnet erstmals am 29.6.2022. Die Abgabe von Kleidern erfolgt ausschliesslich an Flüchtlinge gegen Vorweisen eines Bons. Diese Bons sind sowohl am Welcome Point, als auch direkt beim Roten Kreuz in Olten erhältlich.

Doris Meister (Gemeinnütziger Frauenverein) und Antonia Hasler (Katholische Kirche Olten)

Ankommen in Olten bedeutet zuhören

Die Sorgen und Nöte der Ukrainerinnen hier sind komplett unterschiedlich. Im Gespräch mit den Menschen erfährt man von ihren Einzelschicksalen, wenn sie aus ihrer Heimat berichten, die sie verlassen haben und der sehnlichste Wunsch darin besteht, so rasch als möglich wieder zurückzukehren.

Ein Laptop oder ein Internetabo fehlt bei einem Jungen mit pädagogischer Betreuung, er kann dem Schweizer Schulunterricht nicht folgen, sollte in der Landessprache im Fernunterricht betreut werden. Dort eine Frage nach der Unterbringung bei einer Familie und wiederum eine andere Person benötigt Medikamente. Die Menschen würden gerne arbeiten, wollen ihrem Gastland nicht zur Last fallen und erfahren wie mühsam es ist, trotz Status S eine Arbeitsbewilligung zu erhalten.

Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung

Mittlerweile schleicht sich bereits eine gewisse Routine ein. Die Verwaltungsangestellten im Stadthaus Olten kennen das Freiwilligennetzwerk von regelmässigen Treffen, man bespricht mögliche Aktionen, ein gewisses Vertrauen ist aufgebaut.

Zwar verunmöglichen es die strengen gesetzlichen Vorgaben des Datenschutzes manchmal, so manche niederschwellige Aktion unkompliziert zu realisieren, trotzdem finden sich immer wieder Lösungen, wie einzelne Bedürfnisse von Ukrainerinnen und Ukrainern abgedeckt werden können. Die Stadtverwaltung hilft ihrerseits tatkräftig mit, indem sie die offiziellen Funktionen der Sozialregion abdeckt.

Gewerbe und Olten Tourismus unterstützen

Jüngst sorge das Oltner Modehaus für eine Überraschung, als Ukrainerinnen sich ein Kleidungsstück aussuchen durften. Oder auch eine Stadtführung, organisiert von Olten Tourismus, vermittelt Wissen über Kultur und Bräuche der Schweiz und schafft Brücken. Nur dank der Unterstützung von Olten Tourismus war diese Führung überhaupt möglich.

Auch das Freiwilligennetzwerk ist mit dem Vorwurf konfrontiert, warum man ausgerechnet Menschen aus der Ukraine helfe. Dabei darf man nicht ausser Acht lassen, dass es sich um reine Freiwilligenarbeit handelt und niemals die offiziellen Aufgaben der Sozialregion ersetzt, welche aber aufgrund der „Geschäftslast“ mehr als dankbar um jede Unterstützung ist. Die Stadtverwaltung kann sich dadurch weiterhin auch um die weiteren Dossiers der Sozialregion kümmern.

Deutschunterricht bleibt zentrale Voraussetzung für die Integration in Olten.
Stadtführung für UkrainerInnen und ihren Kindern als Teil der Integrationsmassnahmen

Ukraine kocht zum Dankeschön für Olten

Als kleines Dankeschön für die Gastfreundschaft der Oltner Bevölkerung organisiert die ukrainische Community in Olten am 2. Juli ein kleines Dankesessen. Was genau serviert wird, ist derzeit noch ein Betriebsgeheimnis. Auch die Einladungen werden erst noch versendet. Man darf sich auf alle Fälle auf ukrainische Spezialitäten freuen.

Mit dem Dankesessen im kleinen Rahmen will die ukrainische Community in Olten auch ihre Wertschätzung gegenüber den Behörden, Freiwilligen aber auch der Oltner Bevölkerung als Ganzes zum Ausdruck bringen, dass Geflüchtete hier in Olten so wohlwollend aufgenommen wurden.

Bleibt zu hoffen, dass der ganze Irrsinn dieses Krieges bald ein Ende findet. Bis dahin haben wir Oltnerinnen und Oltner die Chance, auch viel von unseren Gästen aus der Ukraine zu lernen. Das Städtchen Olten wächst.

In Olten zuhause aber gerne unterwegs. Digital is the future.

1 Kommentar zu “Ladies and gentlemen, we are arriving in Olten

  1. Thomas Laube

    Danke für diesen wunderbaren Artikel

    Gefällt mir

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