Von Irren und Narren

In einer renommierten Tageszeitung wurde letzte Woche wieder einmal über Olten gelästert. Regelmässig muss unser Städtchen für Satire herhalten. Auswärtige Schreiberlinge machen sich dabei über die Lebens- und Wohnqualität lustig und fragen sich: „Wie kann man nur in Olten leben?“

Man kann hier sehr gut leben. Das erlebe ich seit 20 Jahren und nicht nur, wenn ich mich im Sommer auf der Aare durch die Stadt treiben lasse. Auch fast 20‘000 Einwohner, über 8000 „Followers“ der Oltner Gruppe auf Facebook und 2000 Blog-Lesende auf „Olteneinfach“ können sich nicht irren. Aber es sind halt schon ein paar Schritte aus dem Bahnhof nötig, um die Stadt richtig wahrnehmen zu können.    

Und man kann in Olten etwas bewegen. Man darf hier mitreden, sogar als Zugezogener, auch wenn man „Oute“ nicht im Dialekt über die Lippen bringt. Seit letztem Herbst bin ich im  Gemeindeparlament und staune über die Kreativität der Vorstösse, die Vielfalt der Voten und die Ausdauer der Parlamentsmitglieder. Gelebte Demokratie mit direkten Auswirkungen auf das Volk ist auch im Parlamentsaal spürbar. An der langen Budgetsitzung vom letzten November wurde eine Volkspetition für ein Bushäuschen im Kleinholz vom Parlament angenommen. Der Initiant dieser Petition hatte als Besucher stundenlang ausgeharrt und konnte kurz vor Mitternacht erfreut nach Hause gehen. Nur ein kleines Projekt, für den Betroffenen aber wichtig.

In einem Jahr finden Wahlen statt für den Stadt- und Gemeinderat. Die Parteien suchen wieder engagierte Frauen und Männer aus Olten, welche mitentscheiden und Verantwortung übernehmen wollen. Machen Sie mit und melden Sie sich bei der Gruppierung Ihrer Farbe!

Zuerst übernehmen aber jetzt in diesen Tagen die Narren die Stadt. Traditionell überreicht der Stadtpräsident dem Obernaar den Regierungsschlüssel während der Fasnacht. Überlassen wir die Stadt den Narren bevor wir gemeinsam wieder Verantwortung für unsere Stadt übernehmen, für alle welche von Olten nicht „nur Bahnhof verstehen“…