Warum ich am Schluss Nein zum Weiterbetrieb des Krematoriums stimmte

Ein Erklärungsversuch für einen politischen Mehrheitsentscheid aus dem Oltner Gemeindeparlament.

Der Tod ist eine emotionale Sache. Umso mehr war klar, dass die Abstimmung zur möglichen Stilllegung des Krematoriums auf dem Friedhof Meisenhard im Gemeindeparlament kontrovers diskutiert werden würde. Jetzt wird gegen den Entscheid des Gemeindeparlaments das Referendum ergriffen. Ein Erklärungsversuch und warum es sinnvoll ist, am Entscheid festzuhalten.

Obwohl ich schon über zwei Jahrzehnte in Olten wohne, bin ich ursprünglich in Hägendorf aufgewachsen. Und auch wir feierten würdige Abdankungsgottesdienste von Verstorbenen. Aber keinem Hägendörfer wäre es zu jener Zeit je in den Sinn gekommen, die Verbrennung ausserhalb der Gemeinde in Frage zu stellen und den Bau eines eigenen Kremationsofens zu fordern. Bei einer Urnenbeisetzung war klar, dass der Sarg zuerst irgendwo ausserhalb eingeäschert werden muss und die Urne dann zur Abdankung wieder vor Ort gebracht wird. Vermutlich ist es auch dieser persönliche Hintergrund, weshalb ich den Verbrennungsvorgang und die Frage des Standorts eines Kremationsofens eher betriebswirtschaftlich als emotional betrachte.

285,40 Franken inklusive Urne

Auf dem Friedhof Meisenhard werde rund 1/5 aller Kremationen mit Oltnern und Starrkrich-Wilern durchgeführt. Und diese geniessen, die Starrkich-Wiler aufgrund eines alten Vertragswerks, einen ermässigten Kostensatz von CHF 285,40 für eine Kremation samt Urne. Die übrigen 4/5 sind Auswärtige, welchen CHF 570.80 in Rechnung gestellt wird. Natürlich zahlen diesen Betrag die Angehörigen, aber der reduzierte Kostensatz ist eine Art Wertschätzung gegenüber den steuerzahlenden Einwohnerinnen und Einwohnern von Olten. 1’032 Menschen wurden im Jahr 2018 im Meisenhard insgesamt kremiert.

530’000 Franken Ertrag jährlich aus Kremationen

Wer die obigen Zahlen mit dem Taschenrechner kalkuliert, kommt auf 58’906 Franken Erträge aus Oltner Kremationen und 471’252 Franken aus Kremationen auswärtiger Personen, die nach Olten zur Verbrennung gefahren werden, sprich rund 530’000 Franken Erträge insgesamt pro Jahr. Hochgerechnet auf 15 Jahre, würden daraus Erträge von rund 7,9 Mio. CHF resultieren, wenn man den eigenen Taschenrechner bemüht. 15 Jahre deshalb, weil auch ein möglicher Ofen über diesen Zeitraum abgeschrieben würde.

7,9 Mio. Erträge gegenüber 3,48 Mio. Franken für einen neuen Gasofen?

Bei dieser „Milchbüechlirechnung“ müsste es jedem vernünftigen Einwohner klar sein, dass doch der Weiterbetrieb eines Ofens in Olten ein Gewinngeschäft sein müsste, schreibt doch die Stadt in ihrem Antrag ans Gemeindeparlament: „Bei einer Addition sämtlicher Investitionen in Neuerstellung und Unterhalt entstehen über eine Laufzeit von 15 Jahren (Lebenszyklus für Brennofen) Kosten von Fr.2.81 Mio. bei einem Elektroofen und Kosten von Fr. 3.48 Mio. bei einem Gasofen.“

260’000 Franken Defizit pro Jahr

Wer jedoch die Vollkostenrechnung macht, und dazu gehört auch der Aufwand für das Gebäude und auch die Personalkosten, kommt auf einen realen Aufwand gemäss Rechnung der Stadt Olten von CHF 711’000.-. Der Ertrag aus Kremationen liegt bei CHF 448’250.-, sprich einem jährlichen Defizit von über 260’000 Franken. Dieses Defizit entsteht jährlich. Das sind die harten Fakten und diese galt es auch an der Gemeinderatssitzung zu diskutieren.

Gleichbleibende Kremationskosten für Olterinnen und Oltner auch in Zukunft

Der CVP/EVP/glp-Fraktion war klar, dass bei dieser Ausgangslage und einer möglichen Stilllegung als favorisierte Lösung der Stadt, eine Lösung für Kremationen von Oltnerinnen und Oltnern angestrebt werden muss. Der nun eingereichte Vorschlag sieht vor, dass auch bei einer Stilllegung des Ofens die Kremationskosten für verstorbene Oltnerinnen und Oltner weiterhin subventioniert werden, was über den Daumen gepeilt jährlich mit rund CHF 50’000.- in der Rechnung zu Buche schlagen wird.

Ein genereller Rückweisungsantrag der SVP zum Geschäft, wurde mehrheitlich abgelehnt, weil die Vertreterinnen und Vertreter im Gemeinderat durchaus bereit waren, über dieses Geschäft als Ganzes zu diskutieren.

Fällt das bisherige jährliche Defizit von CHF 260’000 bei einer Stilllegung des Ofens weg, spart die Gemeinde trotz Subventionierung von Oltner Kremationen damit immer noch rund 200’000.- Franken jährlich. Und mit dieser Lösung verbleiben die Kremationskosten für Oltnerinnen und Oltner auf gleichem Niveau. Ein gut schweizerischer Kompromiss, welchem das Parlament ebenso zustimmte, wie auch der Stilllegung des Ofens und dem Ausbau der bestehenden Räumlichkeiten.

Und aus der Diskussion wurde ebenso klar, dass im Mittelland genügend Kapazitäten für Kremationen bestehen und ein Gewinngeschäft aufgrund einer Wettbewerbssituation durch Überkapazitäten in anderen Krematorien unrealistisch wäre.

Öfen in Langenthal und Aarau mit genügend Kapazitäten

Es ist richtig, dass sich je nach Kremation die Anfahrtswege leicht vergrössern. Aber sowohl im Krematorium Langenthal (23,5 km) ab Meisenhard, als auch von Aarau her (12,5 km) wird versichert, dass genügend Kapazitäten vorhanden sind, um die bestehenden Anlagen in diesen Nachbargemeinden mit Kremationen von Olten her problemlos auszulasten und den Kremationsbetrieb sicherzustellen.

Auf die Stadt Olten kommen in den kommenden Jahren mit neuen Projekten diverse steuerliche Belastungen zu. Es war deshalb ein Vernunftentscheid einer Mehrheit des Oltner Parlaments, diesem gutschweizerischen Kompromiss als Ganzes zuzustimmen.

Wer den Unterschriftenbogen für das fakultative Referendum gegen diesen Parlementsentscheid unterzeichnet, muss sich der finanziellen Tragweite bewusst sein, denn ob mit oder ohne Krematorium, die Kremationskosten werden so oder so für Oltnerinnen oder Oltner gleich hoch bleiben.