Allgemein Digitalisierung Verkehr

Veloparkierung: Das kann Olten von Zürich lernen

Olten hat gefühlt den zweitgrössten Bahnhof der Schweiz, fast so gross wie Zürich aber eben doch ein bisschen kleiner. Was die beiden Städte verbindet ist die sehr hohe Nutzung des Öffentlichen Verkehrs und viele Menschen die ihr Velo am Bahnhof abstellen. Der Parkraum am Bahnhof in Olten voll belegt. Zürich hat für die Velofahrer eine clevere digitale Möglichkeit gefunden, um das Veloproblem zu lösen. Einfach bedienbare Veloparkautomaten sorgen für Ordnung.

Im Januar 2017 investierte die Stadt Olten nochmals 28’000 Franken in den Ausbau neuer Veloständer unter dem Gleis 12 des Oltner Bahnhofs. Gleichzeitig opferte man praktische und nigelnagelneue Helmfächer. Ziel der Massnahme war es, die Stellfläche in der sehr gut genutzten Anlage voll auszuschöpfen. Ein paar Abstellplätze kamen hinzu.

Nur ein halbes Jahr später ist der neu hinzugewonnene Parkraum an einzelnen Tagen und je nach Tageszeit bereits wieder belegt. Pendler stellen ihre Velos bereits wieder auf gesperrten Flächen ab, weil die Anlage überläuft. Wie also löst man das Problem nachhaltig und geht möglichst effizient mit dem Platz in der bestehenden Anlage um?

Velostation Olten Herbst 2017
Velostation Olten Herbst 2017

Die Lösung des Problems besteht nicht in der weiteren Investition in Veloständer sondern muss über eine intelligente Bewirtschaftung des bestehenden Parkraums erfolgen. Der Grund: Immer noch blockieren eine Unmenge an dauergeparkten „Veloleichen“ den öffentlichen und begrenzten Parkraum. Weil der Parkraum auch für Langzeitparkierer vollkommen kostenlos zur Verfügung steht, besteht für einzelne Nutzer keinerlei Anreiz, ihr nicht gebrauchtes Velo möglichst schnell wieder aus der Anlage zu holen.

Gedankenlosigkeit einzelner Nutzer führt zu Engpässen

Frei nach dem Motto einzelner Nutzer: „Was kümmert mich das Velo der andern. Meins hat einen trockenen und videoüberwachten sicheren Platz. Wenn dieser schon nichts kostet, so lass ich meinen Göppel hier einfach so lange stehen bis ich ihn wieder mal brauche.“

Velostation Olten - Herbst 2017
Velostation Olten – Herbst 2017

Die fleissigen Mitarbeitenden der Velostation erkennen mit Glück bereits nach einigen Tagen, vielleicht aber auch erst nach Wochen, dass ein Velo nicht bewegt wurde. Sie kleben mit einer Malerrolle ein Band ans Velo, schreiben von Hand das Datum auf den Kleber und später hängen sie einen Zettel an den abgestellten Drahtesel. Dies ist heute die einzige Handhabe Besitzer auf die Dauerparkierung aufmerksam zu machen.

Erst nach weiteren Tagen wird das Velo dann entsorgt. Dieses Ritual wiederholt sich tagtäglich und nimmt in der Oltner Anlage kein Ende und frisst automatisch Ressourcen und wertvollen Parkraum auf.

Von Zürich lernen und clevere Parkplatzbewirtschaftung einführen

Direkt unter den Gleisen des Bahnhofs hat die Stadt Zürich in diesen Tagen eine topmoderne Veloanlage – analog der Oltner Anlage unter der Tannwaldstrasse – eröffnet. Jedoch anders als in Olten geht man in Zürich nicht von einer Gratismentalität für Langzeitparkierer aus. Zentraler bewachter Parkraum darf ein paar Rappen kosten, so die Meinung der Stadt Zürich. Für umgerechnet 50 Rappen pro Tag können Besitzer der Jahreskarte die Anlage nutzen. Besitzer mit einer Jahreskarte kleben einen QR-Code unter den Sattel oder ans Schutzblech ihres Velos und erhalten einen maschinenlesbaren stabilen Zutrittsbadge als Türöffner zur Anlage.

QR Code Jahreskarte Velostation Zürich
Scannbarer QR Code Jahreskarte Velostation Zürich

Tages- oder Wochenparker lösen am Automat eine Veloetikette

Am Eingang der Veloabstellanlage befindet sich ein zentraler Parkautomat. Kunden lösen dort für den Kurzaufenthalt eine scannbare Etikette und markieren damit wie einen Koffer am Flughafen damit ihr abgestelltes Velo selber. Den mitgedruckten QR-Code reisst man ab und steckt ihn ins Portemonnaie. Darauf aufgedruckt ist die Gültigkeit des Veloparktickets und mit dem QR-Code lässt sich Tag und Nacht die Tür zum gesicherten Parking öffnen.

Die in der Anlage beschäftigten Mitarbeiter erkennen dank der intelligenten und scannbaren Etiketten an den Velos sofort, ob beim abgestellten Zweirad die Parkzeit überschritten wurde und können die Velos umgehend entfernen. Durch eine Gebührenstaffelung können für Tages-, Mehrtages- oder Wochenpässe unterschiedliche Preise definiert werden. Nutzer finanzieren damit die Löhne der Angestellten mit einem kleinen Beitrag mit. Der Hauptnutzen liegt aber darin, dass der öffentliche Parkraum nur solange genutzt wird, wie man ihn effektiv benötigt. Intelligent, wirtschaftlich und einfach.

Veloparkierautomat Zürich Europplatz Firma "abaleo"
Veloparkierautomat Zürich Europplatz Firma „abaleo“

Automaten am Bahnhof Olten würden viele Probleme lösen

Der Einsatz von zwei bis drei dieser selbsterklärenden Veloetikettendrucker würde es auch in Olten ermöglichen, die heute teilweise überstellten Parkflächen beim Bahnhofbrunnen, bei der P+R-Anlage und im Bereich UG Tannwald intelligent zu bewirtschaften. Eine Win-Win-Win-Situation für alle, denn Nutzer hätten mehr Parkraum, die Stadt könnte Geld für teure Ausbauprojekte sparen und Angestellten der Veloparkieranlage können ihre Arbeit noch professioneller erledigen.

Scannbare Tagesetikette Veloabstellanlage Zürich Europaplatz
Scannbare Tagesetikette Veloabstellanlage Zürich Europaplatz

3 comments on “Veloparkierung: Das kann Olten von Zürich lernen

  1. Grūezi Christian

    ….fast so gross WIE Zūrich….

    Sorry, ich wollte einen Print schicken, ist aber
    nicht gegangen!

    Herzlich

    Fernanda

    Von meinem iPhone gesendet

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  2. Richard Knapp

    Der ‘drive in’ Veloparkplatz in Olten ist wirklich praktisch, sollte abee m.E. nicht mehr ‘gemanaged’ werden. Dass einige das egoistisch ausnutzen (ich sehe wenige der erwähnten Hinweiskarten) ist schade. Was ich am Bahnhof Zürich vorbildlich finde sind die grosszügig ausgebauten Unterführungen. Ein breit angelegtes Untergeschoss im Bahnhof Olten von Aare bis Gleis 12 würde nicht nur die Bahnbenutzer, sondern auch die Bewohner von diversen Einschränkungen befreien.

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  3. Markku Borner

    Ich habe die Anlage in Olten erst einmal genutzt. Die (einfache) Lösung von Zürich gefällt mir. Gerade bei knappem Angebot erachte ich eine aktive Bewirtschaftung als gute Lösung. Der Steuerzahler wird entlastet, der Nutzer zahlt für die Leistung, die er bezieht. Dauerparkierer sollen ebenso ihren Beitrag an die Anlage bezahlen wie Kurzzeitnutzer.

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